St. Marienkirche
Barth

St. Marien
Barth

Das erste Kapitel unserer umfangreichen Restaurierungshistorie der St. Marienkirche

Die St. Marienkirche in Barth stellt, wie auch die Universität in Rostock, einen zentralen Punkt unserer Tätigkeit in Norddeutschland, insbesondere Mecklenburg-Vorpommern dar. Wir konnten hier mit geringer zeitlicher Überlappung, nahtlos an unsere Arbeit in Rostock anknüpfen. Seit dieser Zeit konnten und können wir bedeutende Elemente der Raumschale restaurieren. Gegenwärtig (2020) bearbeiten wir die überaus qualitätvollen Wandmalereien der Chorwände, damals (2013 und 2014) durften wir die älteste Malerei, eine Darstellung Jesu Christu als Weltenrichter um 1400 restaurieren zusammen mit den umliegenden Seitenschiffgewölben und auch, in einem späteren Bauabschnitt weitere Gewölbe und Wandflächen im Seitenschiff im Jahr 2018 / 2019.

Auftraggeber

Evangelisch lutherische Kirchengemeinde St. Marien Barth
Papenstraße 7
18351 Barth

Bauleitung

Architekturbüro Johannsen und Partner
Niederlassung Greifswald
Steinbeckerstraße 21
17489 Greifswald
www.ajp-hamburg.de

Amtliche Betreuung

Landesamt für Denkmalpflege
Mecklenburg – Vorpommern
Domhof 4/5
19055 Schwerin
Fr. Dipl. Rest. E. Kuhnert

Beteiligte MA

Dipl. Rest. (FH) Michael Lange
Dipl. Rest. (FH) Sven Hübner
Kirchenmaler Christoph Schneider
Stuckateur Steve Meißner

Zeitraum

Juli 2013 – März 2014

Striche & Bänder gezogen in lfd m
Risse geschlossen in lfd m
Euro Umfang
Monate Bauzeit

Objektbeschreibung

Die St. Marienkirche in Barth beschreibt einen, für die Region sehr typischen, gotischen Backsteinbau und bildet eines der Wahrzeichen Barths, dominiert Sie doch in ausladenden Formen für jedermann weithin sichtbar die Silhouette der Stadt. Sie ist als Hallenkirche von sechs Jochen mit einem zweihochigem Chor gegliedert. Das Mittelschiff ruht auf mächtigen, achteckigen, Pfeilern welche gleichzeitig selbiges von den Seitenschiffen abgrenzen. Das Südliche Seitenschiff, konkret die ersten drei Joche von Ost sowie der Hochchor, waren Inhalt dieser, im Jahr 2013 – 2014 ausgeführten Restaurierungskampagne.

Die Grundsteinlegung der Kirche geht auf Ende des 13. / Anfang des 14. Jahrhunderts zurück. Der südöstlich im Kirchenraum befindliche Hochchor und der aktuell (2020) zu bearbeitende Choranbau datiert auf die Mitte des 15. Jh.

Auf diese Zeit ist auch die Christusdarstellung im Gewölbe des sechsten Seitenschiffjochs des südlichen Seitenschiffes zu datieren.

Der Kircheninnenraum war, im Gegensatz zur äußeren Gestalt des Gotteshauses, Gegenstand stetiger Veränderungen und Überarbeitungen. Im Zuge der Reform in Pommern, in der ersten Hälfte des 16. Jh., erfuhr die Kirche eine der größten Überarbeitungen.

Die prunkvolle Ausstattung wurde, konform gehend mit den damals neuen Ansichten, schlichter überarbeitet. Später, im ersten Viertel des 19. Jh., wurde die Kirche dann im Stile der Aufklärung renoviert und die malerische Gestaltung weiter vereinfacht und deutlich kühler und nüchterner ausgeführt.

Genau dieser nüchterne Stil missfiel König Friedrich Wilhelm IV von Preußen derart, dass dieser Friedrich August Stüler mit der Umgestaltung des Innenraumes beauftragte. Diese Überarbeitung in den Jahren 1857 – 1863 verlieh der Kirche ihre heutige, innere Gestalt. Stüler bediente sich dabei dem Stile der Neogotik. Die Ausmalung und ornamentale Gestaltung der Gewölbe wurde erneuert. Im derzeit (2020) durch uns zu bearbeitenden Altarraum, malte Karl Gottfried Pfannschmidt die Darstellung der zwölf Apostel sowie der Geburt und Himmelfahrt Jesu Christi mit einer überaus qualitätvollen, neogotischen, Architekturmalerei.

Ausgangszustand

Der Ausgangszustand wird in Form eines Schadensglossars beschrieben.

Oberflächenverschmutzung ▾

Sämtliche Oberflächen zeigten extrem starke Verschmutzungserscheinungen. Diese reichten von einfachen Staubauflagerungen bis hin zu hartnäckigeren Verschmutzungen und Rußauflagen.

Des Weiteren zeigten sich an den Wänden und den unteren Zwickelbereichen oberhalb des Gewölbeanfängers Läufer von Schmutzwasser und Spinnweben.

Rissbildung ▾

Auf allen Bereichen zeigten sich Rissbildungen unterschiedlicher Ausprägungen. In den Gewölbeputzflächen, besonders im Südöstlichen Gewölbe des südlichen Seitenschiffes zeigten sich ausgeprägte Rissnetze feiner Putzrisse mit einer Rissbreite von bis 3mm.
In Teilbereichen dieser netzartigen Risssystemen kam es zu Verlusten der Putzschicht. Ein Großteil der Rissbildungen konzentrierte sich hierbei um die Öffnungen in den Gewölbeflächen.
Eine Ausnahme stellt hier das zuletzt bearbeitete Joch 5 dar, mit einem statischen Riss der Gewölbeputzschale, welcher dem Verlauf des Ziegelmauerks des Gewölbes folgt.

An den Wänden waren vor allem statisch bedingte Rissbildungen zu beobachten. Besonders hervorzuheben ist hier statischer Riss an der östlichen Außenwand des Hochchores mit einer Rissweite von bis zu 2 cm.

An den Gurtbögen konnte, statisch bedingt, ein Abriss der Formsteine von der Gewölbeputzschale beobachtet werden. Die Steinlage war in sich stabil, jedoch auf nahezu 80% der Länge von der Gewölbeputzschale getrennt.
Durchfeuchtungsschäden / Salzauskristallisationen Besonders in den Zonen oberhalb der Maßwerkfenster kam es zu starken Durchfeuchtungsschäden mit allen Folgeerscheinungen von dunkler Fleckbildung bis hin zur völligen Strukturauflösung der Putze.

In den Flächen zeigten sich die Durchfeuchtungen insbesondere in den Wandflächen, in Teilbereichen auch in den Gewölbeflächen. Diese Durchfeuchtungen konnten jedoch im Zuge der Arbeiten nicht vollständig minimiert werden, bzw. kam es nach Abschluss der Leistungen zu ständiger Neudurchfeuchtung und damit einhergehend dunkler Fleckbildung.

Als Folge der Durchfeuchtungen kam es an den Gewölbeflächen, Rippen und Teilbereichen der Wandflächen zu Salzauskristallisationen welche als weiße Pusteln oder Salzrasen an der Oberfläche standen.

Teilbereiche der Malschicht wurden zudem durch den Kristallisationsdruck gelockert oder aufgesprengt. Dieses Phänomen zeigte sich insbesondere im östlichen Gurtbogen welcher das südliche Seitenschiff zum Hochchor hin abtrennt wo sich das gesamte Malschichtpaket vom Untergrund getrennt hat. Der darunterliegende Putz war durch Salzeinwirkung völlig aufgelöst.

Hohlstellen ▾

Durch die oben beschriebenen Schadursachen kam es als Folgeerscheinungen zur Bildung von Hohllagen in den Putzflächen. Häufig war dieses Schadphänomen innerhalb der Risssysteme oder Einzelrissen zu beobachten.
Im Gros der Hohlstellen neigten die hohlliegenden Putze im Zentrum des Bereiches zum Federn. In Summe waren aber deutlich weniger Bereiche betroffen als zunächst angenommen.

Malschichtschäden ▾

Es waren grundsätzlich verschiedene Schadbilder an der Malschicht mit unterschiedlichen Ursachen feststellbar.
Zum Einen Bereiche mit strukturellen Schäden des Malschichtträgers welcher durch Risse, Durchfeuchtungen und Salzauskristallisationen geschwächt und nicht mehr zu halten war oder die Bindung völlig fehlte. Lokale Depositionen von Salzpusteln welche die Malschicht aufbrachen und lockerten und zum Abblättern derselben führten waren in Teilbereichen festzustellen.

Zum Anderen Bereiche in denen das Bindemittel in der Malschicht (Leimfarbe) stark abgebaut war und diese so zum Kreiden bzw. Pudern neigte. Dies stellte sich lokal in pudrig aufgetrieben Stellen dar und konnte insbesondere auf den Rippen beobachtet werden. Die aufschablonierten Ornamente auf den Bändern entlang der Gewölbe lösen sich durch eine Kombination aus Oberflächenspannung (Schablonierfarbe bindemittelstärker als Untergrund) und nachfolgenden Bindemittelabbau großflächig ab.

Maßnahmen

Maßnahmen

Trockenreinigung Gewölbefondflächen ▾

Die Reinigung vorgenannter Fondflächen erfolgte trocken, mit weichen Pinseln, punktuell mittels Wish-up-Schwämmen in weicher Variation.

In Teilbereichen wurde mittels Mikrostrahlgerät die zum Teil aufliegenden Rußschichten vorsichtig ausgedünnt. Dabei wurde behutsam vorgegangen um, gemäß Vorgabe, die betroffene Rußablagerung mit der darunterliegenden Tüncheschicht lediglich auszudünnen und nicht vollständig abzutragen.

Trockenreinigung stark geschädigter Bereiche der Architekturfassung ▾

Die Arbeiten wurden ausschließlich auf Bereichen durchgeführt welche vorab mit der Fachbauleitung abgestimmt worden sind.

Die Reinigung erfolgte mittels weichem Haarpinsel und Einkehren der abgenommenen Verschmutzungen in die Staubsaugerdüse. (Filter HEPA aktive)

Trockenreinigung Gewölbe und Wandflächen ▾

Diese Flächen wurden ebenfalls mit einem feinen Haarpinsel gereinigt. Es wurden lediglich lose, aufliegende Verschmutzungen abgenommen und hierbei auf vollständigen Substanzerhalt geachtet.

Reinigung Gewölbe- und Wandflächen mit Vorfestigung ▾

Die Reinigung der Flächen erfolgte wie in den Vorpositionen beschrieben. In Bereichen wo die Fassung den Maßnahmen möglicherweise nicht stand hielten wurden diese durch eine sprühende Festigung vorgefestigt.

Zur Anwendung kam eine Lösung aus Klucel E in Wasser / Alkoholgemisch. Das Festigungsmittel wurde mittels Zerstäuber auf die betroffenen Oberflächen aufgetragen. Ziel der Maßnahme war es die Fassung in einen Zustand zu versetzen welcher der Reinigung zwar standhält, jedoch die aufliegenden Verschmutzungen nicht zu stark an der Fassung bindet.

Malschichtfestigung über Schutzkaschierung ▾

Es kam ein zweistufiges Festigungsverfahren zum Einsatz. In einem ersten Arbeitsschritt wurde die Malschicht wie in der Vorposition beschrieben, sprühend gefestigt.

Danach wurden die Bereiche im Facingverfahren über Japanpapier, 8g/m2, mit wässriger Leimlösung gefestigt.

Durch das Papier konnten aufstehende und verformte Bereiche der Fassung plangelegt und die Fassung so an den Träger angedrückt werden.

Nach Abnahme der Papiere (Zwischenstandzeit 1-2 Tage, abhängig vom Ausgangszustand) wurden partiell hohlliegende Malschichtbereiche mittels Kanüle nachgefestigt

Malschichtfestigung in Entsalzungsbereichen ▾

Zum Einsatz kam ein selbst angesetztes Festigungsmittel bestehend aus:

1 RT Tylose MH 300 Lösung 1%ig

1 RT Ludox X30 1%ig

0,5 – 1 RT Wasser

Das Verhältnis von Festigungsmittel zu Wasser wurde für den konkreten Anwendungsfall angepasst und vorab durch Erprobungen bestimmt.

Die Festigung selbst erfolgte wie unter 3.5. beschrieben in einem mehrstufigen Verfahren um die Bereiche für die Entsalzung ausreichend zu stabilisieren.

Konservatorische Freilegung und Konservierung mittelalterlichen Putzes ▾

Im oberen Bereich der Nische waren bereits großflächig Verluste eingetreten, welche in einer früheren Maßnahme (bauseits) durch Anböschung gesichert worden sind. Die übrigen Bereiche waren verschmutzt bzw. im 19. Jh. überfasst und überputzt worden.

Reste dieser Überfassungen und Überputzen waren im Zuge der Maßnahmen abzunehmen.

Dies wurde durch behutsames, händisches Zurückarbeiten der jüngeren Putzpartien mittels kleinem Steinmetzwerkzeug durchgeführt.

Die freigelegten, mittelalterlichen, Putze wurden anschließend mit KSE 300, Fa. Remmers, gefestigt und die, im oberen Bereich entstandene, Fehlstelle struktur- und niveaugleich zum Umfeld geschlossen.

Hinterfüllung loser Putzbereiche ▾

Zur Hinterfüllung hohlliegender Putzpartien wurden an mehreren Stellen der hohlliegenden Putzschale Öffnungen zur Befestigung der Packer gebohrt.

Über die Packer wurde in einem zweiten Arbeitsschritt der Injektionsmörtel zunächst 10fach verdünnt mit deionisiertem Wasser vorgenetzt. Anschließend wurde die Mörtelsuspension über die Packer mittels Spritze bis zur vollständigen Füllung der Hohlstelle gepresst.

Bei der Materialwahl wurde je nach Bereich unterschiedlich verfahren. In stark salzbelasteten Bereichen kam Ledan D3 zum Einsatz, in den übrigen Bereichen Ledan D1. Die umliegenden Bereiche wurden dabei sorgfältig und großzügig mit Cyclododecan abgedeckt um Schäden an der Fassung durch auslaufende Mörtellösung zu vermeiden

Schließen von Putzrissen ▾

Zunächst wurden die Rissbereiche geöffnet und mit Druckluft ausgeblasen um lose aufliegende Mörtel- und Fassungsreste zu entfernen und den Risskanal zu reinigen.

Die umliegenden Fassungsbereiche wurden dabei mit einem flüchtigen Bindemittel (Cyclododecan) abdeckt um bei der nachfolgenden Schließung der Risse weiteren Beschädigungen vorzubeugen.

Die Risse wurden anschließend mit einem Mörtel (Baustellenmischung aus Weißkalkhydrat und gewaschenem Sand 0-2), welcher in seiner Struktur dem Bestand nachempfunden wurde, geschlossen. Bei größeren Rissen wurden dabei mehrlagig gearbeitet.

Der geschlossene Risskanal wurde dabei in Oberflächenniveau und Struktur dem Umfeld angepasst

Kittung von Putzfehlstellen ▾

Analog der Schließung der Risse wurden Putzfehlstellen aller Größen mit einem Mörtel als Baustellenmisch (gewaschener Sand, Kalk) geschlossen.

Umliegende Bereiche wurden dabei maskiert um Schäden an der Malschicht zu vermeiden.

Die Schließung der Fehlstellen selbst erfolgte mehrlagig mit einem grob ausgeführtem Unterputz und einem, auf die Struktur des Bestands angepassten, Deckputz.

Nach Ansteifen des Mörtels wurde dieser in Verarbeitungsstruktur und Endniveau dem Umfeld angepasst und abschließend mit einer weißen Kalktünche grundiert.

Bereits vorhandene, zum Teil deutlich über Niveau liegende, Kittungen wurden mechanisch unter das Niveau des Umfeldes zurückgearbeitet und mit einem entsprechend abgestimmten Kalkmörtel an die Oberflächenbeschaffenheit des Bestandes angepasst.

Vorbehandlung Wasser- und Sinterflecken ▾

In Bereichen mit größerflächig auftretenden Fleckbildungen durch Wassereintrag / Versinterung wurden diese Stellen mit HAGA Kalksinterwasser vorbehandelt um später durchschlagende Flecken nach Aufbringen des Schlussanstriches zu vermeiden.

Leider erwies sich diese Maßnahme nicht als erfolgreich. Nach Herstellen des Schlussanstriches in Leimfarbentechnik traten erneut Fleckbildungen auf. Betroffen ist hier vor allem die Südwand des Hochchores. Grund hierfür sind die extremen Versalzungen des Mauerwerkes, welche sich auch durch mehrfache Kompressenentsalzung nicht nachhaltig vermindern lassen.

Ursache dafür ist zum Einen die salzhaltige Luft an diesem küstennahen Standort und zum Anderen die extrem salzhaltigen Sande („Ostseesand“) welche in den Putz- und Mauermörteln verwendet worden sind sowie die teils komplette Durchfeuchtung der Wandstärke welche hier immer wieder Transportprozesse in Gang setzt.

Dieser Umstand ist in mehreren naturwissenschaftlichen Untersuchungen (durchgeführt durch die MFPA Weimar) belegt worden.

Neufassung der Fondflächen Gewölbe ▾

Ziel war die Rekonstruktion der ursprünglichen Farbigkeit der Gewölbefondflächen bei Integration der angrenzenden, gereinigten Fassungen der Architekturfarbigkeit.

Angesetzt wurden die Leimfarben auf Basis von Carboxymethylzellulose (Paint Glue, Fa. Kremer) und mittels lichtechten Pigmenten (Fa. Kremer) in Abstimmung mit der Fachbauleitung auf den historischen Bestandsfarbton abgetönt.

Hierbei wurde nicht bis direkt an die Konturen der Ornamentik herangestrichen. Der Fond wurde in mehreren lasierenden Anstrichen kleinteilig an die Ornamentik angearbeitet.

Ziegelimitation und Ornamentik, Retusche und Rekonstruktion ▾

An den Gurtbögen, Kreuzrippen und Formsteinen entlang der Gurtbögen war eine Ziegelimitationsfassung ausgeführt in einem englischrotem Grundton und gebrochen weißer Fugengliederung.

Gut erhaltene Bereiche wurden kleinteilig in Tratteggiotechnik retuschiert. Fehlstellen bereiche wurden in mehreren, lasierenden Durchgängen geschlossen. Vor Ausführungsbeginn wurden mehrere Farbmuster zur Abstimmung mit der Fachbauleitung angelegt.

Sämtliche Bereiche wurden in Leimfarbentechnik analog 3.12. bearbeitet.

Die blauen Bänder und Begleitstriche, sowie die Ornamentik wurden ebenfalls in relativ gut erhaltenen Bestandsbereichen retuschiert, ansonsten rekonstruiert.

Die Begleitbänder wurden frei Hand neu gezogen und die roten Ornamente in der Gewölbefläche aufschabloniert.

Bei den grauen Blumenornamenten innerhalb des blauen Begleitbandes handelt es sich ebenfalls um Freihandmalereien.

Sandsteinimitation, auf Wandflächen Retusche und Rekonstruktion ▾

An o.g. Bereichen war eine Steinimiationsfassung mit einer englischroten Fugengliederung angelegt.

Es handelte sich hierbei um keine Steinimiationsfassung im engeren Sinne welche das Gefüge eines Gesteins imitiert, vielmehr sollte durch einen entsprechend abgefärbten Fondton mit der Fugengliederung der Eindruck erweckt werden es handele sich um große, versetzte Sandsteinquader.

Ziel war das optische Egalisieren der neu verputzten Bereiche und deren farbliche Integration in den umliegenden Fassungsbestand.

Kleinere Fehlstellen wurden retuschierend geschlossen, größere wurden rekonstruiert. Dabei wurden Randbereiche der Bestandsfassung überlasiert um die Rekonstruktionen optisch besser in das Gesamtbild zu integrieren.

Wie auch in den übrigen Bereichen wurden alle Arbeiten in Leimfarbentechnik ausgeführt.

Für die Farbtöne wurden zur Abstimmung vorab repräsentative Musterflächen angelegt und der Fachbauleitung zur weiteren Diskussion präsentiert.

Bei den Ornamentbändern in den Fenster- und Bogenleibungen wurde wie oben beschrieben gearbeitet.

Schablonenmalerei Gurtbogen, Retusche ▾

Die Schablonenmalerei im Gurtbogen zeigte sich in der Fläche weitgehend intakt. Lokal war die rote Schablonenmalerei auf grauer Unterlage zwar ausgedünnt, jedoch noch lesbar.

Die kleinen, in einem rötlichen Ocker ausgeführten, Ornamente im lilafarbenen Begleitband waren jedoch weitgehend verloren. Aus Betrachterdistanz waren diese zwar noch zu erahnen, in der Nahansicht zeigte sich jedoch, dass die Ornamente lediglich nur noch als pudrige, aufgequollene Malereireste auf dem Band auflagen.

Die englischrote Schablonenmalerei im Zentrum des Gurtbogens wurde in Tratteggiotechnik retuschiert, bemerkenswert war hier vor allem eine größere Fehlstelle einer ehemaligen Hohllage im südlichen Drittel des Gurtbogens welche vollständig geschlossen werden konnte.

Die kleinen Ornamente im Begleitband wurden vollständig rekonstruiert, der zu haltende Bestand bezifferte sich auf etwa 15%.

Für sämtliche Farbtöne wurden im Vorfeld Farbmuster angelegt und mit der Fachbauleitung diskutiert. Die Arbeiten wurden analog der übrigen Bereiche in Leimfarbentechnik ausgeführt.

Gewölbemalerei im südlichen Seitenschiff, Retusche ▾

Es handelt sich hierbei um eine polychrom ausgelegte Malerei einer, auf weißer Kalktünche, rot angelegten Pinselvorzeichnung. Zurückhaltend wurden die Lokaltöne innerhalb der Vorzeichnungen angelegt. Zum Teil zeigten sich Weißhöhungen in der roten Vorzeichnung.

Die von PFANNENSCHMIDT ausgeführte Übermalung beschränkte sich im Wesentlichen auf die Auslegung der Fondflächen und Ergänzung der verlorenen gegangenen Binnenmalereien.

Die Fehlstellen im grauen Fondton wurden nach Abschluss der vorbereitenden Maßnahmen (oben beschrieben) lasierend geschlossen, der Bestand dabei in den Anschlussbereichen mit überarbeitet um den monochromen Fond als Fläche wieder geschlossen erscheinen zu lassen.

Die figürlichen Malereien wurden anschließend in Tratteggiotechnik retuschiert, größere Fehlstellen wurden nicht ergänzt, sondern retuschierend im entsprechenden Lokalton geschlossen. Dem Ziel, die bildwirksamen Fehlstellen und Verputzungen zu reduzieren, konnte damit vollständig entsprochen werden.

Salzreduzierung mittels Kompresse ▾

In o.g. Bereichen wurde eine Kompressenentsalzung in zwei Durchgängen durchgeführt und der Entsalzungserfolgt anschließend über naturwissenschaftliche Untersuchungen (Fremdleistung – MFPA – Weimar, Hr. Dr. Zier) kontrolliert. Die Ergebnisse der Analysen liegen dem Bericht im Anhang bei.

Der Auftrag der Kompressen erfolgte dabei händisch über einer Schutzkaschierung aus Japanpapier (10g/m2). Es kam eine Rezeptur nach Wendler zum Einsatz bestehend aus Arbocel BC 1000 (1RT), Bentonit (ca. 0,3 RT), Poraver der Körnung 0,25-0,5 (0,5 RT) und 0,5-1mm (1,5 RT) sowie destilliertem Wasser (1,25 RT).

Die Kompresse wurde anschließend mit einem Luftkalkmörtel abgedeckt und nach vollständiger Durchtrocknung wieder entfernt. Dabei wurde dann das Probematerial zur Analyse gewonnen.

In stark geschädigten Bereichen wurde die Methodik modifiziert und auf die Schutzkaschierung mittels Japanpapier verzichtet.

Die Analysen zeigten zwar einen gewissen Entsalzungserfolg durch die gelösten Salze im Kompressenmaterial, dieser stellte sich jedoch nicht nachhaltig ein.

Durch bauimmamente Ursachen waren die Salzeinlagerungen im Mauerwerk zu massiv um allein durch eine Kompressenbehandlung ein nachhaltiges Ergebnis erreichen zu können.

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