Titelbild Nikolai Kirche Wismar

Kirche St. Nikolai
Wismar

Kirche St. Nikolai
Wismar

Meisterwerk der Spätgotik im gesamten nordeuropäischen Raum

Bei der St. Nikolaikirche in Wismar handelt es sich um eine mächtige, dreischiffige Backsteinbasilika von sieben Mittelschiffjochen mit einer, für die Bauzeit, ungewöhnlichen Klarheit des architektonischen Systems.

Sie gilt als ein Meisterwerk der Spätgotik im gesamten nordeuropäischen Raum und steht seit 2002 als ein Teil der Wismarer Altstadt auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Auftraggeber

Hansestadt Wismar
Amt für zentrale Dienste
Hr. T. Junggebauer
Hinter dem Rathaus 6
23966 Wiesmar

Architekt

Architekten Angelis und Partner
Hr. Fleischhack
Bademutterstraße 14
23966 Wiesmar

Denkmalpflege

Landesamt für Denkmalpflege
Mecklenburg – Vorpommern
Domhof 4/5
19055 Schwerin
Fr. Dipl. Rest. E. Kuhnert

Beteiligte MA

Dipl. Rest. (FH) Michael Lange, Leitung
Stuckateurm. (§8HWO) Lucas Lange
Rest. M. A. Christin Golnik
Kirchenmaler Christoph Schneider
Stuckateur Jörg Weikert
Stuckateur Steve Meißner
Steinmetz Michael Nerbas

Monate erster Bauabschnitt
Monate zweiter Bauabschnitt
Gewölbejoche restauriert
Euro Gesamtumfang

Objektbeschreibung

Das Kircheninnere ist ein gewaltiger aufstrebender, einheitlicher Raum ohne Scheidung von Chor und Schiff von steilen Proportionen bis zu einer Höhe des Innenraumes von 37m. Sie verfügt damit über das vierthöchste Kirchenschiff in deutlich und generell das zweithöchste dieser Bauform.

Der Bau der heutigen Kirche wurde um 1370 begonnen und erst 1508, mit dem Aufsetzen des Turmhelmes endgültig abgeschlossen.

Gegenstand der beiden gewonnenen Ausschreibungen waren die Bearbeitung der Gewölbeflächen in den nördlichen und südlichen Querhäusern, sowie mehrerer Joche im Nord- und Südseitenschiff und den Seitenkapellen.

Die einzelnen Joche sind untereinander weitgehend identisch ausgebildet mit Rippen aus gleichgroßen Ziegelformsteinen. Die Gewölbesegel sind glatt ausgerieben verputzt, die Backsteingliederungen der Rippen und Randeinfassungen der Gurtbögen sind dagegen lediglich mehrlagig geschlämmt.

Die Oberflächen sind alle nach einem einheitlichen Grundschema gefasst. Die Gewölbeflächen sind hell angelegt, zu rot gefassten Architekturgliederungen mit Steingefügebild entsprechend der gebauten Struktur mit weiß differenzierten Fugen. Die Gewölbekanten entlang von Schildwänden, Rippen, Gurtbögen sind mit einer Krabbenmalerei in Rot gestaltet, welche dann an den Scheitelpunkten in grün/rote bzw. blau/rote Ornamente mündet.

Eine Ausnahme bilden figürliche Gewölbemalereien im zweiten Nordquerhaus sowie figürliche Malereien in der sechsten Seitenkapelle

Relevant für die ausgeführte Restaurierung war die Restaurierung und Teilrekonstruktion der Fassung aus dem späten 19. Jh.

Referenz Bild Wismar Gewölbewoch restauriert

Bereiche

Gewölbeflächen im Kirchenschiff

1. Bauabschnitt

Nordquerhäuser 1 – 4
Südschiffe 5, 8 und 9
Südquerhaus 1
Seitenkapelle 6 und 7

2. Bauabschnitt

Südquerhäuser 2 – 4
Seitenkapelle 5
Südschiffe 6-7
Nordschiffe 4 – 9

Insgesamt 22 Gewölbejoche

Zusätzlich zu den Gewölbejochen:

Kapelle der Schonenfahrer – Malerei auf dem Gurtbogen
Wandmalerei der Wände der Seitenkapelle 6

Referenz Bild Wismar Gewölbewoch restauriert

Ausgangszustand

Alle Fassungsoberflächen waren sämtlich durch aufliegenden Schmutz wie Spinnweben und Staub stark verunreinigt. Besonders in den feuchtegeschädigten Zwickelbereichen sind Strukturzerstörungen an Putzen und Backsteinen feststellbar. Diese Schäden äußern sich in kleinteiligen Rissbildungen und schuppenförmiger Auflösung der Grundstruktur.

Auslöser für diese Schadphänomene ist, wie so oft, der Eintrag von Feuchtigkeit und damit einher gehend Frostsprengung und Salzauskristallisation.

In einigen Bereichen waren die Schäden derart massiv dass diese zu einem Totalverlust der Putzschale und damit der Fassungen geführt haben.

Die Malschicht zeigt generell auf allen Oberflächen massive Auflösungserscheinungen und lag teilweise nur noch mehlig / pudrig und aufgequollen auf den Putzuntergründen auf.

Maßnahmen

Maßnahmen

Salzminimierung ▾

Nach Abnahme völlig desolater Putzbereiche (i.d.R. Randzonen der bestehenden Fehlstellen) wurde die Mauerwerksoberfläche abgesaugt, alle destrukturierten Mörtelzonen wurden entfernt.

Danach erfolgte ein zweimaliger Auftrag einer feuchten Kompresse aus Arbocel BC 200 und BC 100 1:1 angesetzt in aqua dest. Dieses Material wurde ca. 1cm stark aufgetragen und angedrückt.

Nach 3 Wochen Standzeit wurde die Kompresse abgenommen, die Oberfläche nachgereinigt und nach einer Woche Zwischenstandzeit die Kompresse erneut aufgetragen.

Rekonstruktion Bemahlung ▾

Gewölbefondflächen

Diese wiesen partiell intakte Bereiche auf mit Malerei bzw. Umfeldbereichen im Anschluss an die Malereien. Problematisch war die unterschiedliche Farbausrichtung dieser Zonen. Bei einem hell ockerfarbigen Grundton wiesen diese einen leichten Grünstich bzw. auch Rottendenzen auf.

Der als Ölkalk verarbeitete Anstrich war zudem in unterschiedlichem Maße nachgedunkelt. Nach der i.d.R. dreilagigen Grundierung der Fehlstellen wurde mit unterschiedlich farbigen Lasuren versucht an diesen Bestand anzuarbeiten.

Da der eigentliche Bestandsfarbton der Gewölbefondflächen deutlich heller ist als die nachgedunkelten Bestandsflächen musste ein optischer Übergang hergestellt werden. Der Ausgang dieses Experimentes war im Vorfeld nicht sicher zu ermitteln. Im Anschluss an die Malerei wurde je um 2-3mm der Farbton schichtweise angearbeitet.

Rippenfarbigkeit

Nach der Reinigung wurden die Rippen mit einem dünnen, hellgrauen Kalkkasein praktisch als Löscher grundiert. Darüber wurden die roten Rippen mit zweifachen Anstrich aufgebaut, pigmentiert mit Eisenoxidrot M110 und M220 je 1:1 (Fa. Kremer).

Die Abbindung erfolgte mit technischem Kasein unter Zusatz von etwas Methylzellulose zur Spannungsminderung.

Die grünen Rippen wurden nach dem Löschen nochmals grau mit Kasein grundiert. Darüber wurde entsprechend des Befundfarbtones dieser auf der Basis von Chromoxidhydratgrün, Ocker und Holzkohle ausgemischt.

Die blauen Rippen wurden in der Farbigkeit entsprechend der Malerei- und Rippenbefunde hergestellt. Hier wurde über grauer Grundierung auf der Basis von Ultramarinblau grünlich, Kobaltblau hell und Chromoxidgrün der Farbton hergestellt und mit etwas Holzkohle-Schwarz auf den genauen Farbton abgestimmt.

Die Fassung wurde mit 3 halbdeckenden Aufträgen hergestellt.

Gurtbögen

Am Gurtbogen wurden helle Farbspritzer abgereinigt, danach wurden Fehlstellen im Rotfarbton vorgelegt, der Bogen im Ganzen danach überlasiert.

Als Pigmentgrundlage dient hier Terra Puzouli und Englischrot hell (Fa. Kremer). Die Bindung erfolgte in einer Mischung aus technischem Kasein und Methylzellulose. Die Fugenstriche wurden in getöntem Kalkweiß hergestellt.

Ornamentale Malerei

Die komplett fehlenden Bereiche (umfassend meist die Krabbenbänder) wurden in der Technologie der 1890er Jahre ergänzt, d.h. die grundsätzlichen Teile wurden einschlägig aufschabloniert, die Verbindungsteile dann halbdeckend aufgemalt. Die kleineren, fehlenden Bereiche wurden über eine durch Verdünnung aufgehellten Lasur hellrot vorgelegt und die Form geklärt.

Figürliche Malerei – Darstellung des Hl. Jacobus

Die konservierte Malereioberfläche wurde mit Tratteggioretuschen optisch geschlossen. Kleine Fehlstellen (bis 3mm) wurden direkt ausgelegt, bei größeren wurde Farbigkeit und Dichte des Malereiumfeldes durch Tratteggioretusche nachgebildet.

Die noch ahnbaren Formverläufe am unteren Gewandteil und den Füßen wurden durch eine sehr dünn lasierende Zeichnung geklärt, danach wurde die Binnenflächen in Tratteggiotechnik gefüllt und schrittweise an das Farbniveau des Originales angenähert. Über die Farbigkeit und Grad der Verdichtung der Retusche wurde mit der Fachbehörde eine Abstimmung geführt.

Konservierung und Ergänzung der Putze ▾

Die Strukturfestigung wurde partiell vorgenommen. Als Material wurde KSE Remmers 300 eingesetzt. Die Zwischenstandzeit betrug 14 Tage.

Die Putzergänzungen wurden zweilagig ausgeführt.

Unterputz: Luftkalkmörtel Rajasil LKP 0-4mm, ca. 5-8mm stark angeworfen und grob abgezogen.

Nach Zwischenstandzeit 3 – 4 Tage Feinputz ebenfalls mit Rajasil Luftkalkputz LKP 0-1mm. Die Übergänge zum Altbestand wurden niveaugleich angelegt.

Konservierung der Fassung ▾

Zum Einsatz kam ein zweistufiges Verfahren. Die Konservierung der Fassung wurde ebenfalls in mehreren Durchgängen absolviert.

  • Vorsichtige Sprühfestigung mit Tylose MH 1000 in H2O – Aceton-Gemisch, 0,8%ig zur Stabilisierung pudernder Bereiche
  • Festigung mit Hasenhautleim 2,5%ig im Facingverfahren über Japanpapier, 8g/m2. Über das Papier lassen sich verformte Bereiche der Fassung planlegen und die Fassung wird angedrückt.
  • Nach Abnahme der Papiere (1-2 Tage Zwischenstandzeit), Nachfestigung noch hohlliegender Bereiche mit Kanüle.

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