St. Georgen
Wismar

Jagdschloss
Granitz

Rettung des Heiligen Georgs

Die überregional bekannte St. Georgen Kirche wurde bei Bombenangriffen im Jahr 1945 schwer geschädigt, brannte anschließend aus und stand bis 1990 als Ruine und auch als Mahnung für die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges. Seitdem gestaltete sich schleppend der Wiederaufbau mit Teilrekonstruktionen in mehreren Abschnitten. Die Kirche ist als Bestandteil der Wismarer Altstadt seit 2002 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen und seit 2010 zu wesentlichen Teilen wieder aufgebaut.

Auftraggeber

Hansestadt Wismar
Amt für zentrale Dienste
Hr. T. Junggebauer
Hinter dem Rathaus 6
23966 Wismar

Architekt

Architekten Angelis und Partner
Hr. Fleischhack
Bademutterstraße 14
23966 Wismar

Denkmalpflege

Landesamt für Denkmalpflege
Mecklenburg – Vorpommern
Domhof 4/5
19055 Schwerin
Fr. Dipl. Rest. E. Kuhnert

Beteiligte MA

Dipl. Rest. (FH) Michael Lange, Leitung
Rest. M. A. Christin Golnik
Techniker Michael Nerbas

Quadratmeter Fläche
beteiligte Mitarbeiter
Euro Umfang
Monate Bauzeit

Objektbeschreibung

Der Kirchenbau wurde geprägt durch drei wesentliche Aufbau- und Umbauphasen. Die älteste Kirchenbauphase geht zurück auf das 13. Jh. wo vermutlich zunächst eine dreischiffige Halle mit Kastenchor und westlichem Turm errichtet wurde. In der zweiten Umbauphase, vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jh., wurde die Kirche am Chor, an der Süd- und Nordseite durch weitere Kapellen und eine Sakristei erweitert. Diese Umbauten dauerten wahrscheinlich bis in den zweite Hälfte des 14. Jh. an.

Die dritte Umbauphase begann mit der Vollendung des Chores, quasi direkt im Anschluss an die zweite Umbauphase.

Anfang des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche dann ihre heutige Gestalt. Dabei wurde Sie komplett, unter zeitgleichem Abtrag der Hallenkirche, beginnend vom Turm in Abschnitten Richtung Chor umgebaut. Der Bauabschnitt endete am Chor der zweiten Bauphase. Säulen und Bögen der drei Bauphasen am Chor sind auch heute noch Zeugnis der umfangreichen Bautätigkeiten.

Gegenstand der 2017 durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen war eine bogenförmige Wandmalerei (Abmessungen ca. 10,50 x 5,40m) des namensgebenden, heiligen Georgs im Oberwandbereich der Schildwand im südöstlichen Vorchorjoch. Sie zeigt den Heiligen Georg zu Pferde, der den sich am Boden windenden Drachen tötet.

Im linken Hintergrund ist eine mittelalterliche Stadtansicht mit Mauer und Türmen dargestellt innerhalb der sich ein gekröntes Paar befindet. Die Darstellung einer Heiligenfigur auf der rechten Seite des Hintergrundes ist im Vorzustand nicht lesbar.

Das gesamte Szenario findet in einer mit Laubbäumen bestandenen Landschaft statt.

Die Wandmalerei ist Bestandteil einer umfassenden Neuausmalung der Kirche Ende des 19. Jh. und nimmt Bezug auf eine an gleicher Stelle befindliche, wohl themengleiche Darstellung, die dann praktisch wiederholt wurde.

Von der älteren Ausmalung finden sich jeweils Farbbefunde ohne, dass diese in der Gesamtheit bildhaft lesbar sind.

Technologisch handelt es sich um eine Kalkkaseinmalerei.

Bereiche

1. Bauabschnitt

Marmorfensterbänke

Marmorkamine im Empfangszimmer, Damensalon und Marmorsaal

Marmorwandverkleidung im Marmorsaal

2. Bauabschnitt

Bearbeitung der Deckenfassung und der Oberwandzone

3. Bauabschnitt

Raumfassung der Decke des Marmorsaals und des angrenzenden Erkers

Insgesamt 33 Baumonate

Ausgangszustand

Die Malerei stand bis Anfang der 1990er Jahre in der halboffenen Ruine, ein Teilbereich durch den Rest der Gewölbe (Zwickelbereiche) mit einem gewissen Schutz. Die das Bild halb oben begrenzende Schildrippe fehlte ebenso wie die Gewölbekappe. Diese sind erst im Zuge der Instandsetzung seit Mitte der 1990er Jahre rekonstruiert worden. Somit ist zumindest von einer teilweisen Bewitterung der Wandmalerei auszugehen, und dies stellt sich auch in den Schadbildern so dar. Im Zuge der Baumaßnahme ist es zu weiteren Verschmutzungen durch Schmutzauflagen und Verpressmörtel gekommen, die dieser Phase klar zuzuordnen sind. So sind im mittelbaren Bildbereich insbesondere zwei breite, vertikal durchgehende Läufer von z.T. bis 10cm Breite festzustellen welche plastisch bis 1cm stark aufliegen. Im Zuge dieser Maßnahme wurden in zahlreiche Teilbereichen Anböschungen mit Kalkmörtel ausgeführt bzw. kleine Löcher (bis 5cm) komplett gekittet. Diese Anböschungen und Kittungen waren weitestgehend intakt. Die typischen Schadbilder sind nachfolgend in Form eines Glossars zusammengefasst.

Verschmutzung / Destrukturierung ▾

Das starke Putzrelief begünstigt extreme Schmutzauflagerungen auf der Fläche. Im Putzanschluss an die Rippe starke Destrukturierungen der Oberfläche infolge Feuchteeintrag.

Schildbogen: Der direkte Anschluss an die Rippen ist im Zuge einer vorangegangenen Tünche- und Malschichten gelockert und hohlliegend. Starke Beeinträchtigung der Lesbarkeit der Malerei durch aufliegende, dichte Verschmutzung.

Reliefoberfläche begünstigt starke Staubauflagen ▾

Bedingt durch das starke Oberflächenrelief sind Schmutzablagerungen begünstigt. Die Verfugung ist in Teilen abgerissen. Besonders im unteren Bereich ist der vergleichsweise dickschichtige Tüncheauftrag deutlich erkennbar.

Mauerwerksfugen: Prägend für die Erscheinung ist auf die sichtbare, tieferliegende Verfugung des mittelalterlichen Mauerwerks. Die Verfugung, die Niveauunterschiede des Mauerwerks bieten starke Auflageflächen für eine dichte Verstaubung. In en Flächen führten kleinere mechanische Beschädigungen zu Malschichtverlusten. Diese infolge ihrer Helligkeit stark störend.

Historische Reparaturen / Unpassende malerische Ergänzungen / historische Vermörtelung ▾

In Bereichen mit historischen Reparaturen mit Kalkmörtel sind die Reparaturflanken abgerissen. Der Malereiduktus und Vortrag wirkt hier fast aquarellhaft; die Malschicht ist auch extrem stark verschmutzt; Malschichtausbrüche entlang der Rissflanken.

Historische Vermörtelung: Die im 19. JH. im Zuge der Restaurierung vorgenommene Vermörtelung weicht in ihrer Oberflächenstruktur und Duktus erheblich vom Umfeld ab. Der feinteilige Kalkmörtel mit Rundkorn weist die typische Matrix dieser Bauepoche in Wismar auf. Die auf dieser Ergänzung aquarellartig angelegte Malerei ist mit ihren „weichen“ Konturierungen und Malkanten eher untypisch für dieses Wandbild; In diesem Falle aber werktechnisch begründet. Im Bereich der Mörtelkanten Ausbrüche und Lockerungen bzw. Hohlstellen.

Malschichtlockerung ▾

In Bereichen mit noch vergleichsweise gut lesbarer Malerei war über Verschmutzung die Malschicht in kleinen Schollen abgängig, partiell flächige Verluste von Tüncheschichten mit Malschicht. Trotzdem war in diesen Bereichen der ursprüngliche Charakter der Malerei noch lesbar.

Die Bereiche sind kleinteilig gegliedert mit stark polychromer Malerei, die Verschmutzung ist hier weniger auffällig; Teilbereiche mit Verlusten der ganzen Malschicht bis zur Tüncheschicht; mechanische Beschädigungen führten zu Malschichtverlusten ganzer Partien; Spannungsabrisse von Malschichtpaketen.

Maßnahmen

Maßnahmen

Staubreinigung ▾

Als erste Maßnahme wurden lose aufliegende Stäube, Verschmutzungen, Kalk- und Putzspritzer abgenommen. Dies erfolgte Trocken mit Pinseln verschiedener Härtegradationen entsprechend des vorgefundenen differenzierten Malschichtzustandes.

Plastisch aufliegende Spritzer wurden mit Skalpell abgenommen. Die Verpressgutläufer wurden ebenso entfernt. Da diese sich nicht erweichen ließen kam es hier zu Malschichttrennungen, d.h. ein Teil der Malschicht blieb am Verpressgut, ein anderer Teil auf der Wand.

Nach Abstimmung mit der Fachbehörde wurden Proben für eine Feuchtreinigung ausgeführt um den Umfang der Laserreinigung einzuschränken. Die Ergebnisse der Arbeitsproben zur Feuchtreinigung sind nachfolgend dargestellt.

Die favorisierte Methode wurde dann so flächendeckend umgesetzt und erbrachte bereits eine Wesentliche Verbesserung der Lesbarkeit. Ausgenommen wurden Bereiche mit Salzauskristallisationen und geschwächter Malschicht (Bindemittelverlust).

Laserreinigung ▾

Für die Laserreinigung wurde im Vorfeld eine Abstimmung mit der Fachbehörde geführt. Die Laserreinigung sollte auf Bereiche eingegrenzt werden mit Gipskrusten und damit vorhandener schleierförmiger Auflagen. Hierzu wurden im Vorfeld Musterflächen angelegt und das Ergebnis mit der Fachbehörde abgestimmt. Anschließend wurde die Laserreinigung so umgesetzt. Es kam ein EOS 1000 LQS der italienischen Firma El.En. zum Einsatz. Gearbeitet wurde mit einer Frequenz von 20 Hz und einer Energiedichte 14,2 J/cm2. Dadurch konnte eine wesentliche Verbesserung der Lesbarkeit werden.

Putzergänzungen / Kittung ▾

Im Zuge früherer Maßnahmen waren in Teilbereichen Putzergänzungen ausgeführt. Diese wurden belassen und punktuell ergänzt. Die Putzergänzungen wurden mit Sumpfkalkmörtel (1 RT Sumpfkalk, 2 RT Sand 0-2mm, 1 RT Marmorgries 0-0,8mm) ausgeführt. Die Ergänzungen wurden niveaugleich angelegt zum umgebenden Duktus.

Rissschließungen ▾

Risse wurden mit Ledan TB 1 verfüllt und die Oberfläche bündig verschlossen. Risse und Putzergänzungen wurden mit Sumpfkalk, getönt im Grundierungsfarbton zweifach grundiert.

Hohlstellen ▾

Hohlstellen waren nur sehr begrenzt vorhanden. Diese wurden soweit als möglich mit einem verdünnten Gemisch von Syton W30 (1:8 in Wasser / Alkohol) gespült und danach mit Ledan TB 1 in mehreren Durchgängen verfüllt.

Retusche ▾

Ziel der Retusche war die Lesbarkeit insgesamt zu verbessern, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Betrachterdistanz (mindestens 20m). Die Retusche wurde additiv als Strichretusche ausgeführt, beginnend mit der Schließung kleiner Fehlstellen bis 2cm erschlossen sich nach und nach die formalen Zusammenhänge und es konnte ohne geschlossen werden ohne ungesicherte Rekonstruktionen durchführen zu müssen. Dabei wurde die Fläche mit großen Putzergänzungen (Mitte / Versatz oberer rechter Rand) nur neutral mit Lasuren eingetönt und die Strichretusche in diesem Bereich auslaufen gelassen.

Für die Lasuren wurde über dem neutralen Grundton (Putz / Grundierungsfarbton) der jeweilige Lokalfarbton des Umfeldes angenommen. Die sich im Zuge der Arbeiten weiter verdichtende Retusche erlaubt nunmehr auch die Formulierung kleiner Details (etwa im Bereich der Architektur) welche vorher völlig unleserlich waren.

Der Grad der Retusche wurde in zwei Ortsterminen mit der Fachbehörde abgestimmt.

Als Materialien kamen für die Grundierung Sumpfkalk, lichtechte Pigmente Fa. Kremer; für die Retuschen Lascaux Gouachefarben, lichtechte Pigmente Fa. Kremer und Tylose MH 300 als Bindemittel zum Einsatz.

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