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Jagdschloss
Granitz

Jagdschloss
Granitz

Restaurieren in Rügens bekanntestem Wahrzeichen.

Das Jagdschloss in Granitz ist wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands größter Insel. Mit über 250.000 Besuchern im Jahr ist es das meistbesuchte Schloss in Mecklenburg-Vorpommern und mit seinem charakteristischen, zentralen Turm zählt es mit zu den prominentesten Profanbauten in Deutschland.

Auftraggeber

Betrieb für Bau und Liegenschaften
Geschäftsbereich Schwerin
Frau Jana Giesa
Werderstraße 4
19055 Schwerin

Fachbauleitung

Dipl. Rest. Andreas Weiß
Tschvitz 3
18569 Gingst (Teschvitz)

Denkmalpflege

Landesamt für Denkmalpflege
Mecklenburg – Vorpommern
Domhof 4/5
19055 Schwerin

Beteiligte MA

Dipl. Rest. (FH) Michael Lange, Leitung
Dipl. Rest. (FH) Sven Hübner
Dipl. Rest. Jenny Müller
Kirchenmaler Christoph Schneider
Restaurierungstechniker Steffen Heinrich
Stuckateur Kai Mroczeck

Monate Bearbeitungszeit
Euro Umfang
Bauabschnitte
beteiligte Mitarbeiter

Objektbeschreibung

Das ehemalige Jagdschloss, ein monumentaler Putzbau mit zentralem Turm, wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh. für Fürst Malte I von Putbus im Zentrum eines großen Waldgebietes im Biosphärenreservat Südost-Rügen errichtet.

Es wurde nach Plänen von J. G. Steinmeyer d. J. im Tudorstil errichtet und gilt als eindrucksvolles Beispiel romantischer, neugotischer Architektur. Der Grundriss ist nahezu quadratisch angelegt mit zweigeschossiger Ausdehnung und vier runden Ecktürmen welche einen zentralen Lichthof umschließen in dessen Mitte sich der charakteristische, siebengeschossige Aussichtsturm befindet.

Marmorsaal

Der Marmorsaal bildet den räumlichen und gestalterischen Höhepunkt in der Raumfolge des Schlosses und befindet sich in der repräsentativen Mittelachse im ersten Obergeschoss mit einer halbrundförmigen Erkerauskragung nach südlicher Richtung.

Bearbeitet wurden im ersten Bauabschnitt der Kamin und die Wandverkleidungen. Beide Bauteile wurden qualitätvoll aus einem sehr reinen, hellweißen Marmor gefertigt. Beim Marmor handelt es sich um einen Marmor aus Italien der Varietät Bianco Statuario. Dazu wurden in diesem Bauabschnitt zusätzlich die Fensterbänke und Kamine der den Marmorsaal umgebenden Räume bearbeitet. Diese sind ebenfalls aus diesem qualitätvollem Material gefertigt.

Die charakteristische Decke wurde im dritten Bauabschnitt restauriert. Sie besteht aus einer regelmäßigen Struktur von quadratischen Kassetten in acht mal fünf Achsen. Der äußere Anschluss wird durch eine kleine Hohlkehle mit Profilabschluss gebildet. Die Decke ist bauzeitlicher Bestand auf dem Jahr 1846 und wurde zuletzt in einer fragwürdigen Restaurierungskampagne in den frühen 1990er Jahren überarbeitet.

Speisezimmer

Das Speisezimmer wurde im zweiten Bauabschnitt 2014 bearbeitet. Es ist handelt sich um einen langrechteckigen Raum mit etwa schulterhoher, qualitätvoller Holzwandverkleidung und darüber befindlichen keramischen Fliesen mit floralen Motiven. Zur Decke hin schließt die Wandgestaltung mit Kastenprofil, Rillenband und Eistab mit vergoldeten Eiern hin ab und geht dann in ein, mit floraler Malerei verziertes, Fries über. Darüber befindet sich die vergoldeten Wimpelleiste welche zur Decke zur Decke mit darüber liegendem Palmettenfries und grafisch angelegtem Schablonenmuster aus Strichen und Blumen abschließt. Die Decke selbst ist mit stuckierten Rundfeldern gegliedert, war jedoch nicht Bearbeitungsgegenstand dieser Maßnahme.

Bereiche

1. Bauabschnitt

Marmorfensterbänke

Marmorkamine im Empfangszimmer, Damensalon und Marmorsaal

Marmorwandverkleidung im Marmorsaal

2. Bauabschnitt

Bearbeitung der Deckenfassung und der Oberwandzone

3. Bauabschnitt

Raumfassung der Decke des Marmorsaals und des angrenzenden Erkers

Insgesamt 33 Baumonate

Ausgangszustand

1. Bauabschnitt – Restaurierung Marmoroberflächen

Marmorfensterbänke – alle Bauteile befanden sich in einem extrem schlechten Allgemeinzustand und waren in erheblichem Maße verschlissen. Sie wiesen intensive Fleckbildungen durch Wasser und Korrosion abgestellter Gegenstände auf. Auch waren einige Bänke vollständig durchgerissen.

Kamine – Vollständige Oberflächenverschmutzung mit teils verbackenen Staub. Die Bauteile waren überzogen von kleinteiligen mechanischen Schäden, Graffiti und alten, unpassenden Kittungen. Analog der Fensterbänke wiesen auch die Kamine Fleckbildungen durch Wasser und Korrosion auf.

Wandverkleidung – durch Ihre Einbauhöhe wies die Wandverkleidung keine mechanischen Schäden auf. Die Oberfläche war durch frühere Reinigungen jedoch stark überarbeitet. Im Wandanschlussbereich am Kamin wurden 4 Platten durch einen deutlich graueren, kristallin wirkenden Marmor substituiert. (möglicherweise Marmor aus Bulgarien). Die Verfugungen waren sämtlich gelockert und zu 90% verloren.

2. Bauabschnitt – Speisezimmer

Die Decke wurde zuletzt in den 1980er Jahren überarbeitet. Bei der Sichtfassung handelt es sich um eine dispersionsgebundene Fassung. Die stuckierten Blütenrosetten sind ebenfalls mit Dispersionsfarbe gestrichen und mit Ölvergoldung überfasst.

Die Friesprofile – Eistab, Rillenband, Kastenprofile und Hohlkehlen sind mit dispersionsgebundener Farbe überfasst.

Die Wimpelleiste ist vollflächig mit Ölvergoldung überfasst. Die Befestigung ist mit doppelseitigem Klebeband erfolgt.

Alle Fassungsoberflächen sind intakt. Durch die teils dicklagigen Oberflächenbeschichtungen sind die Profilverläufe und Oberflächenstruktur wesentlich verunklärt.

3. Bauabschnitt – Marmorsaal Restaurierung Raumfassung

Die Decke in Saal und Erker ist bauzeitlicher Bestand von 1846 und wurde bei den Umbauten der 1870er Jahre nicht verändert. Zuletzt präsentierte sich der Raum als Ergebnis einer (fragwürdigen) „Restaurierung“ der frühen 1990er Jahre mit einer vollflächigen Bemalung der Kassettenbinnenflächen als gedruckte, kaschierte Papierapplikationen. Das floral ornamentale Motiv in Grisailletechnik wurde in allen Feldern appliziert.
Die umlaufenden Profile – Rundstab und Kymation – wurden in Anlehnung an Befunde als Perl- und Blattstab malerisch strukturiert. Die Ausführung wich sowohl in der floralen Ausbildung als auch in der technisch „innovativen“ Ausführung mit PLAKA – Farbe und Edding weitestgehend vom historischen Vorbild ab.

Das sich aus Material und Form ergebende Erscheinungsbild hatte außer der Motivanlehnung an das bztl. Original keine Verknüpfungspunkte mit dieser ursprünglichen Erscheinung.

Der umlaufende Fries war ebenfalls als Druck (Siebdruck) auf Papier ausgeführt.
Dieser war in Anlehnung an einer 1 : 1 Rekonstruktion auf Befundgrundlage im Hause ausgeführt. Für die textil (!) armierte Goldapplikation auf den Höhen der Begleitprofile gab es offensichtlich keine Vorlage (außer der Intention der damaligen Ausführungen).

Maßnahmen

Maßnahmen

1. Bauabschnitt – Restaurierung Marmoroberflächen ▾

Fensterbänke

Ausbau

Mit kleinem Steinmetzwerkzeug wurde die Einputzung an den beiden Stirnseiten aufgenommen. Die Einbindung der Sohlbänke hier lag bei 1,5 bis 3cm je Seite.

Danach ließen sich die Bänke vorsichtig von ihrem Mörtelbett abheben. Die letzte Verlegung (im Zuge einer Reparatur der 1960er Jahre ?) erfolgte glücklicherweise nicht in Zementmörtel. Die Fensterbänke des Damensalons und Erkers waren noch in ihrer bztl. Einbaulage.

Der Einbau erfolgte auf bauseitig vorbereitete Unterlage mit eingebauter elektrischer Temperierungsmatte.

Reinigung

Die Abnahme der Mörtelreste erfolgte mechanisch mit kleinem Steinmetzwerkzeug.

Für die Oberflächenreinigung wurde eine flächige Arbocelauflage mit aqua dest aufgebracht. Danach wurden die Sohlbänke (bzw. die Bruchstücke) stehend abgedampft mit Mikrodampfgerät. Ausbrüche, Löcher wurden mit Zahnbürsten bearbeitet.

Eisen- / Rostflecken

Ein gravierendes Problem stellten zahlreiche Rostflecken dar, infolge von abgestellten / abgelegten Gegenständen und nachfolgendem Feuchteeintrag.

Diese Eisenverbindungen waren in den Marmor einpenetriert. Mittels sog. „Eisenpasten“ Fa. FEAD konnten diese Verbindungen in Lösung gebracht werden. Die Herauslösung nach außen infolge Pastenauftrag und nachfolgender Arbocel- bzw. Laponitekompressen hatte nur teilweise Erfolg.

Die sich von Braun in hell bzw. dunkelviolett verfärbten Verbindungen wurden mit Hilfe von Wasserstoffperoxid gelöst und durch parallel aufgelegte Zellstoffkompressen extrahiert. Mit dem Eisenpastenauftrag wurde dies z.T. in drei Durchgängen realisiert.

Klebungen

Die Klebungen erfolgten auf Stoß durch Kontaktklebung und durch rückseitig eingelegte 6mm starke Glasfaserstäbe. Diese wurden 40cm lang, rissüberbrückend eingesetzt. Dazu wurde eine Ausarbeitung von ca. 1 x 1cm auf der Rückseite vorgenommen.

Bei einer Materialstärke von knapp 4 cm ist dies vertretbar. Die Verklebung der Armierung erfolgte mit Epoxidharz Araldit, Fa. Kremer, gefüllt mit dem Marmorgries der bei den Ausarbeitungen angefallen ist. Die Klebungen erfolgten mit Zweikomponenten – Epoxidharz der Marke „AKEMI“, transparent und UV-beständig.

Ergänzungen

Für die Herstellung der Ergänzungsmassen wurden entsprechende Materialversuche ausgeführt.

Als einzige, dem Original nahekommende, Ergänzungsmasse erwies sich eine Mischung aus Paraloid und fraktioniertem Originalmarmor in den Körnungen 0 – 0,8mm / 0, – 0,25mm und 0 – 0,1mm.

In der Tiefe der Fehlstelle musste zwingend mit der Fraktion 0,8mm gearbeitet werden um hier größere, lichtdurchlässige Zwischenräume zu schaffen (die nur mit Bindemittel gefüllt sind). Darauffolgend wurde mit feinen Fraktionen zur Oberfläche hin gearbeitet.

Je Auftrag sind 2mm Auftragsstärke möglich, danach muss das Material über ca. 24 h komplett aushärten (Abdampfen der Lösungsmittel, Vernetzen der Acrylatketten).

Diese kleineren Fehlstellen mussten mit feineren Fraktionen aufgefüllt werden, mit der Folge dass die Lumineszenz dieser Ergänzungen teilweise unzureichend ist, insbesondere wenn diese an Kanten positioniert sind.

Die Ergänzungen wurden so lagenweise aufgebaut mit notwendigen Zwischenschliffen.

Oberfläche / Politur

Unversehrte bauzeitliche Oberflächen waren nicht mehr nachweisbar. Lediglich Teilflächen von wenigen Quadratzentimetern neben den seitlichen Einbindungsstellen wirkten relativ unversehrt, aber auch diese waren durch die Einputzungen nicht völlig intakt.

Diese wiesen eine seidenglänzende, nicht auspolierte Oberfläche auf. Da an den Sohlbänken ca. 80% aller Flächen durch Kratzer und Schleifspuren geschädigt waren, wurde die Fläche grundhaft geschliffen, beginnend mit Korn 280 über die Abstufungen 400, 600, 800 und 1000. Das Schleifen erfolgte von Hand und mit Exzenterschleifer Festo, jeweils nass.

Für die Herstellung der endgültigen Oberfläche wurden die Teile mit 1:1 verdünntem Mohnöl (in Shellsol T) eingelassen, Überschüsse abgenommen.

Nach einer Zwischenstandzeit von ca. 2 Tagen erfolgte der Überzug mit mikrokristallinem Wachs und die Politur von Hand auf eine seidenglänzende Oberfläche.

Kamine

Reinigung

Eine erste Reinigung erfolgte durch Absaugen mit Staubsaugerbürste (Filter: HEPA aktiv). Ein nächster Reinigungsschritt wurde mit Mikrodampfer ausgeführt.

Analog der Bearbeitung der Fensterbänke wurden auch hier Rostflecken mit einer Kombination aus Eisenpastenbehandlung und Wasserstoffperoxidkompressen bearbeitet.

Auf der Oberfläche des Kamins im Empfangszimmer konnten die Flecken nicht völlig entfernt werden, da diese zu weit in das Gefüge einpenetriert waren.

Die Bearbeitung der plastischen Elemente erfolgte mit Mikrodampfer, Zahnbürste und Zellstoffkompressen. Partiell wurde mit Tensidzusatz (0,5%) in Wasser gereinigt.

Fugen / Ergänzungen / Klebungen

Die Nachverfugung erfolgte mit einem Gips – Kalkmörtel als Baustellenmischung (1 RT Stuckgips; 1 RT Sumpfkalk; 2 RT Marmorgries weiß). Die Fugen wurden analog der vorhandenen originalen Fugen oberflächig glatt verstrichen und niveaugleich zur Marmoroberfläche ausgeführt.

Die Klebung eines kleinen Bruchstückes wurde mit Akemi –transparent (UV – beständig) ausgeführt.

Ergänzungen

Für die Ergänzungen wurde analog vorgegangen wie bei den Fensterbänken. Diese wurden in gleicher Weise wie beschrieben mit Paraloid B72 und Marmorgries ausgeführt, analog die gleichen Zwischenschliffe und Spachtelungen.

Oberflächenbehandlung und Politur

Der Beschädigungsgrad der Oberfläche war nicht so umfassend wie an den Fensterbänken. Damit konnte partiell ausgleichend gearbeitet werden, d.h. stärker verputzte und zerkratzte Bereiche wurden beginnend mit Korn 280 über die Abstufungen 400 / 600 / 800 und 1000 an die intakte Oberfläche angearbeitet.

Weniger beschädigte Bereiche wurden ab Korn 400 oder 600 bearbeitet. Die Schlusspolitur erfolgte mit Mikromesh 1600.

Analog der Fensterbänke wurde hier nach verdünntem Ölen mit Mohnöl, dann mit Renaissancewachsüberzug poliert, von Hand mit Ballen.

Klebung / Einbau Anker

Für den etwa mittig gerissenen Sturz war der Einbau eines Ankers vorgesehen. Dazu wurde auf der Sturzrückseite (Kamininneres) in Größe des Ankers (1200 x 60 x 12 mm) eine Ausarbeitung angefertigt und mit Bohrungen versehen.

Der Anker greift über 4 aufgeschweißte Bolzen (Durchm. 16mm) 6cm tief in das Material ein.

Der Anker wurde mit Remmers Bauharz BH 100, gefüllt mit Marmorgries eingeklebt.

Der um ca. 0,6cm abgesenkte Sturz war im Bereich von 2 mm beweglich und wurde um diese Strecke nach oben gedrückt und in seiner Lage fixiert bis die Klebung ausgehärtet war. Danach wurde der Riss mit Heißkleber verdünnt (auf der Sichtseite vorn und unten 0,5 cm tief unter der Oberfläche) und der Risskanal von der Kamininnenseite aus mit Remmers Bauharz BH 100 befüllt.

Die Applikation erfolgte abschnittsweise über in unterschiedlichen Höhen gesetzte Kanülen. Die Rissbreite von 4mm ließ die Anwendung von Bauharz zu, dessen Fließfähigkeit für den breiten Risskanal ausreichte.

Die Rissoberfläche wurde mit Ergänzungsmasse auf der Basis von Paraloid und Marmorgries (Originalmaterial) gefüllt.

Oberflächenbehandlung

Die Oberflächenbehandlung erfolgte wie vorab beschrieben, lediglich die Vorlegestufe erhielt auf Grund der stärkeren Beanspruchung einen doppelten Wachsüberzug.

Wandverkleidung

Reinigung

Der Verschmutzungsgrad war augenscheinlich, da sich die Plätze an denen zuletzt Gemälde hingen deutlich abzeichneten.

Die Flächen wurden mit warmem Wasser mit Tensidzusatz abgewaschen. Da sich hier Reste von Überzügen abzeichneten wurden die gesamten Flächen mit Shellsol T und Zellstoff gereinigt. Die Reste von Überzügen waren im Zellstoff als gelbbrauner Belag sichtbar. Danach wurde die gesamte Fläche mit Mikrodampfgerät abgedampft und das ablaufende Wasser mit Zellstoff aufgenommen.

Im Zuge der Reinigung wurden die desolaten Fugen mit entfernt und der Fugenkanal mit Mikrodampfer ausgeblasen.

Fugen

Die gereinigten Fugen wurden mit einem Gips – Kalkmörtel geschlossen. Mischung: 0,5 RT Stuckgips / 1 RT Sumpfkalk / 2 RT Marmorgries weiß.

Der Fugenmörtel wurde analog des Originals glatt abgezogen ca. 1 – 2 mm unter Niveau der Oberfläche.

Nach völligem Austrocknen wurde der leicht hellere Ton des neuen Mörtels durch aqua sporca Lasuren farbig an den gealterten Bestand angepasst.

Bearbeitung Metallelemente

Die Platten sind teilweise mit kleinen, eisernen Anker fixiert, bzw. sitzen in den Kreuzfugen Schraubanker auf denen die Zierelemente aufgedreht sind.

Diese Elemente wurden handmechanisch entrostet und zweifach mit Paraloid B72 8%ig überzogen.

Auswechslung Platten

Für den vorgesehenen Austausch wurden vier Platten Bianco Statuario in der vorgesehenen Größe beschafft. Die Platten wurden in Appiano / Eppan – Italien bei der Fa. Nikolaus Bagnara vor Ort an einer Tranche ausgesucht und dann da im Werk auf Maß geschnitten mit einer Plattenstärke von 2cm.

Die in den 1980er (?) Jahren ausgebauten Platten wurden handmechanisch mit Steinmetzwerkzeug abgebaut. Der Kamin wurde dafür auf der linken Seite temporär eingehaust.

Die Mörtelreste von der Wand wurden ebenfalls handmechanisch abgenommen, der Untergrund abgesaugt.

An der Unterkante der unteren Plattenreihe waren noch bauzeitliche Eisenanker als Plattenauflager (neben der anschließenden Anpassung) positioniert. Untergrund und Platten wurden vorgenässt und darauf der Versatzmörtel Carament weiß der Fa. PCI 2 cm stark mit Zahntraufel aufgetragen, danach die Platte eingerichtet und eingeklopft, sodass eine vollflächige Mörtelklebung erreicht werden konnte.

Oberflächenbehandlung

An Hand der noch vorhandenen, kleinen Befundfläche wurde ein Seidenglanz angestrebt. Dazu wurden die Platten mit den Körnungen 400 / 800 und 1000 komplett nass geschliffen. Danach wurde die Fläche zweifach mit verdünntem Mohnöl (1:1 in White Spirit) eingelassen, der Überschuss jeweils nach 10min abgenommen.

Danach wurde die Fläche einmal mit Renaissancewachs auf Seidenglanz frottiert.

2. Bauabschnitt - Speisezimmer ▾

Decke Metallauflagen

Zu bearbeiten waren die Stuckelemente mit vergoldeten Zapfen. In der Sichtfassung waren jedoch nur noch die Zapfen vergoldet.

Befund

Die Elemente waren Weiß gefasst. Die Zapfen waren ölvergoldet. Die umgebenden Blütenblätter waren im Fond Weiß gefasst mit ölvergoldetem Rand.

Freilegung

Die Zapfen und Blütenblätter wurden mit Abbeizgel „ASUR“ Fa. Scheidel freigelegt. Nach dem Anquellen der Sichtfassung wurde diese mechanisch abgenommen. Die Oberflächen wurden mit Aceton und Zahnbürste nachgereinigt.

Kittung

Ausbrüche wurden mit Kalkgipsmörtel unter Zusatz von 30% Marmorgries 0 – 0,4mm und 0 – 0,8mm niveau- und formgleich gekittet. Zwei abgebrochene und schräg angesetzte Zapfen wurden neu versetzt und angeklebt.

Neufassung

Der Grundkorpus und die Blütenblätter wurden mit SAX Kaseintempera in Befundfarbton – Weiß – bis zur Deckung gestrichen. Die Fassung wurde angleichend aufgetragen d.h. es wurde bis zur Deckung partiell in Teilbereichen nachgefasst.

Vergoldung

Die Vergoldung wurde als Ölvergoldung ausgeführt. Auf Rot abgefärbten 12 h Öl „le franc“ wurde 23,75 kt. Antikgold (Blattgoldschlägerei Dresden) verarbeitet.Zwei Rosetten wurden in freigelegten, retuschierten Zustand belassen.

Decke – Fries

Freilegung

Der Fries war mit zwei Lagen dispersionsgebundener Farbe überfasst. Diese konnte mit dem Abbeizgel „ASUR“ angequollen und in dem dann erreichten Zustand mit Holzspachteln abgenommen werden.

Der Einsatz, Wirkzeit und Handhabung des Abbeizmittels wurde in Vorversuchen ermittelt. Hilfreich war, dass es sich bei der originalen Friesfassung um eine kaseingebundene Temperafassung handelt welche in definierter Wirkzeit von Abbeizgelen nicht angequollen wird. Die Nachreinigung der freigelegten Flächen erfolgte mit Aceton und Wattebausch.

In der Nachfolge wurden die Übermalungen der Reparaturphase – hierbei handelte es sich meist um Lichter und Schatten die neu und räumlich verschoben gesetzt waren – mit Skalpell abgenommen.

Eine Konservierung der freigelegten Friesfassung war nur punktuell notwendig und erfolgte mit 2%igem Hasenhautleim.

In Abweichung vom ursprünglichen Konzept welches nur eine punktuelle Freilegung vorsah und darauf aufbauend eine malerische Rekonstruktion, erlaubte der bis zu etwa 80% erhaltene Gesamtbestand und die gefundene Freilegungsmethodik eine vollständige Freilegung welche Gegenstand des Nachtrages vom 10.02.2014 war.

Unabhängig gab es Teilbereiche mit Originalbestand, sowie Bereiche in denen nur noch der Formverlauf ohne Detailausbildung vorhanden war.

Kittung

In geringem Umfang waren Risse und kleinere Ausbrüche festzustellen. Diese wurden mit Kalkgipsmörtel – RT Sumpfkalk 1, Stuckgips 0,25; Marmorgries 0 – 0,8mm, 2 RT – niveaugleich im Formverlauf zum Original gekittet.

Retusche und Rekonstruktion

Für die Umsetzung wurde eine Musterfläche entwickelt. Hierbei wurde in minutiöser Weise der vorhandene Befund in Vollretusche geschlossen. Um Klarheit über die Formverläufe und Licht / Schattenverteilung zu gewinnen.

Darauf aufbauend wurde die Malerei im Wechsel von Retusche und malerischer Rekonstruktion ergänzt.

Materialtechnisch wurden Gouachefarben von Lascaux mit Eitemperemulsion als Malmittel vermalt um sich dem Erscheinungsbild des Originales anzunähern.

Ein früher Retuschezustand nach erster Beruhigung von Fondfläche ist in der beiliegenden Fotodokumentation abgebildet.

Decke – begleitende Profile

Die, den Akanthusfries begleitenden, Profile standen mit den Restaurierungsfassungen der 1980er Jahre und 1990er Jahre in dispersionsgebundenen Anstrichen.

Diese waren komplett zu überarbeiten und auf die Fassung der 2. Hauptbauphase nach 1870 zurückzuführen.

Eistab

Die Bestandsfassung aus Dispersion wurde mit Abbeizgel bis auf eine untere Fassungsebene (2/3) ausgedünnt.

Danach wurde die Oberfläche mit Aceton gereinigt und geschliffen. Danach erfolgte eine Grundierung mit abgemagerter Ölfarbe.

Darauf wurden die Eier und das Rahmenornament schelllackiert und auf 12 h Mixtion „le franc“ vergoldet. Die Mixtion wurde Rotocker abgefärbt. Als Gold wurde 23,75 kt Antikgold (Blattgoldschlägerei Dresden) verwendet.

Kastenprofil, Rillenband

Bei diesen Elementen wurde wie am Eistab verfahren.

Die zu vergoldenden Teile (Kanelluren) wurden mit abgemagerter Ölfarbe vorgrundiert und dann in der Temperafassung ausgespart.

Die Vergoldung erfolgte w.o. beschrieben. Nach der Vergoldung wurde punktuell mit Tempera ausgebessert.

Hohlkehle

Die vorbereitenden Arbeiten wurden hier zum übrigen Prozedere modifiziert. Die Oberflächen wurden belassen und nur überschliffen.

Nach umfangreichen Befundungen und Musterflächen wurde das grundsätzlich stimmige Muster wieder aufgenommen.

Auf einem gebrochen weißen Fond der mit dünnem Grau ablasiert wurde, wurde das Motiv blau schabloniert.

Als Blau (in Zellulosebindung) konnten die notwendige Farbbrillanz nur mit einem abgemischten Bremer Blau erreicht werden.

Die horizontalen Liniierungen wurden mit einem Lineal gezogen, die vertikalen nach Vorzeichnung frei Hand. Die Fondfassung wurde in Kaseintempera angelegt.

Profil mit Palmette in unmittelbaren Deckenanschluss

Das Profil wurde analog der Hohlkehle geschliffen und zweifach mit Kaseintempera grundiert. Dadurch erfolgte nach Abstimmung und Bemusterung die Neufassung ebenfalls in Kaseintempera (Fond) sowie mit Pigment in Zellulosebindung (Palmette und Strich).

3. Bauabschnitt - Marmorsaal – Restaurierung der Deckenfassung ▾

Reinigung- und Abnahme von Fassungen

Nach Prüfung des Bestandes wurde entschieden, die zwar bauphysikalisch eher ungünstigen aber völlig stabil und tragfähig stehenden Oberflächen der letzten beiden Fassungen (Öl-Wachs.- und Acrylfarbe) nicht zurückzuarbeiten und zu belassen.

Es wären sonst erhebliche Schäden an der bauzeitlichen Oberfläche unvermeidlich geworden.

Gleiches gilt für die fest haftende Kaschierung der Kassetteninnenflächen. Die Papierkaschierung des Frieses wurde abgenommen. Diese wurde mit heißem Wasser, auch mit Mikrodampfgerät erweicht und mechanisch (Spachtel / Lanzette) entfernt. Die Deckenfläche insgesamt mit warmen Wasser und Tensidzusatz abgewaschen.

Beschreibung Rissbild

Die Risse wurden bis 1cm breit geöffnet, ausgeblasen und die Rissflanken mit Syton X30 (1:6 verdünnt) vorgefestigt und noch Lockerungen partiell gebunden.

Die Rissschließung erfolgte mit Kalk – Gipsmörtel (Baustellenmischung: 1 RT Sumpfkalk / 0,25 RT Stuckgips / 2 RT Marmorgries 0,8mm / 1 RT gewaschener Sand 0 – 1,5mm).

Die Oberfläche wurde glatt und niveaugleich hergestellt.

Egalisierung von Oberflächen

Die Flächen die teils durch Fassungsausbrüche und alte Reparaturen in ihrer Oberflächenerscheinung gestört waren, wurden mit konfektioniertem Kalkspachtel (Fa. Bau-Mit – Kalkspachtel Glätt W) in dünnem Auftrag egalisiert. Die Oberfläche wurde feucht überschliffen.

Im Zuge der Farbmuster ausgeführte Probeflächen hatten ergaben dass die monochrome Fassung eine weitgehend homogene Oberfläche erforderte, so dass ca. 80% aller Flächen auf diese Weise überarbeitet wurden.

Rückverankerung / Sicherung verformter Bauteile

In zwei Teilbereichen waren Lockerungen der Putz- Stuckschale eingetreten. Da es sich vermutlich um Ablösungen des Putzträgers (Rohrgeflecht) mit der Putz / Stuckschale im Ganzen handelte, wurden Verschraubungen mit V4A Schraube, Länge 80 mm ausgeführt um die Verankerung der Schale an der Nadelholzschalung zu gewährleisten.

Begleitend dazu wurden diese Bereiche mit Calxnova Injektionsmörtel hinterspritzt um die Anbindung als Rohrgeflechtes an die Putzschale zu verbessern oder wieder herzustellen. Die Applikation des Injektionsmörtels erfolgte über PVC Schläuche.

Putzergänzungen

Wurden zweilagig in Kalkmörtel (0-2mm) und Kalkgipsglätte (Oberfläche) ausgeführt. Die Ergänzungen erfolgten mit glatter Oberfläche niveaugleich zum Original.

Rekonstruktion der Farbfassung

Bei der auszuführenden Farbfassung handelte es sich um eine Totalrekonstruktion, lediglich die beiden Befundstellen des Frieses (Nordseite / Südostecke) wurden mit einbezogen, sowie der Befund der Ecklösung an der Kymation eines Feldes.

Diese Befunde wurden mit Lascaux Gouachefarben retuschiert, dabei die Fondfläche lasierend als Vollretusche, die ornamentalen Formen als Tratteggioretusche bzw. durch Auspunkten (Fehlstellen kleiner als 3 mm).

Die Rekonstruktion der monochromen Fassung und der Malerei erfolgte mit dem Farbsystem „Protect“ der Fa. Beeck. Hierbei handelt es sich um reversibel konfektionierte Leimfarben.

Die Decke wurde einmal weiß grundiert, danach zweimal im ausgemischten und abgestimmten Befundfarbton grundiert.

Die Farbtonermittlung erfolgte über insgesamt 4 Musterachsen. Die von der Fachbauleitung favorisierte Bestimmung über NCS Farbtöne erwies sich als unpraktikabel, die Feinabstimmung kann nur mit visueller Feinabstimmung der angestrichenen Probeflächen sicher beurteilt werden.

Die notwendigen Abtönungen erfolgten mit lichtechten Pigmenten Siena natur (gelber Ocker), siena gebrannt (roter Ocker), umbra grünlich, Holzkohle (alle Fa. Kremer).

Die ornamentale Bemalung der Friese und Perlstäbe wurden an Hand von jeweils bis zu 4 Musterflächen im Detail und Feinabstimmung erarbeitet.

Analog wurde beim Fries vorgegangen. Die an Hand der Befundflächen erarbeitete Detailformulierung unterschied sich erheblich von den als Kalkulationsgrundlage vorliegenden Kartons der 1990er Jahre.

Grundsätzlich handelt es sich um eine Grissaillemalerei für tiefe Schatten, Halbschatten und Licht. Die entsprechenden Farbtöne wurden auf Grundlage des Materials Beeck „Protect“ mit Lascaux Gouachefarben ausgemischt. Durch das Ausführung deckend und halbdeckend / lasierend waren ausreichend Modulationsmöglichkeiten der Farbtöne gegeben.

Die Übertragung der Ornamentik auf den vorbereiteten Deckenfond erfolgte mit Lochpause.

Abhängeelemente

Die Abhängeelemente wurden auf Grundlage eines zwischenzeitlich aufgefundenen Entwurfes neu gefertigt. Diese wurde mit 70er Hautleim grundiert und danach zweifach mit Beeck Protect im Fondfarbton der Decke grundiert.

Zwischen Vorleimen und erster Grundierung erfolgte ein Zwischenschliff mit P 180 für die Ausführung der Bemalung wurden insgesamt schrittweise 8 Muster angefertigt (4 mit den Rekonstruktionsmodell der 1990er Jahre, 4 mit dem neuen Rekonstruktionsmodell).

Zuletzt wurden in einem 1 tätigen Abstimmungsprozeß vor Ort die Detailausbildung der Ornamentiert insbesondere der Licht- Schattenverteilung und Wirkung ermittelt.

Die Montage der Elemente erfolgte durch eine vierfache Verschraubung in den stuckierten Untergrund.

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